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Seniorenvereinigung der Stadt Meppen e.V.

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Einsamkeit

„Einsamkeit bedeutet, irgendetwas schmerzlich zu vermissen“

Meppen-Bokeloh. Eine großartige Resonanz: Mehr als 130 Seniorinnen und Senioren waren der Einladung der Seniorenvereinigung Meppen und der Telefonseelsorge Emsland gefolgt und sorgten im Dorfgemeinschaftshaus in Meppen-Bokeloh für einen voll besetzten Saal. Begegnung, Austausch und Gemeinschaft prägten den Nachmittag – und das bei einem Thema, das viele Menschen betrifft, über das aber noch immer zu wenig gesprochen wird: Einsamkeit.

Unter dem Titel „Einsamkeit verstehen und gemeinsam überwinden“ referierte Dr. Christoph Hutter, Diplom-Theologe und Diplom-Pädagoge sowie Leiter der Familienberatung im Bistum Osnabrück. Er fand dabei schnell einen einfühlsamen Zugang zu den Zuhörerinnen und Zuhörern.

Wenn das Gleichgewicht kippt
Hutter machte deutlich, dass Einsamkeit etwas anderes sei als vorübergehendes oder gewolltes Alleinsein. Sie könne entstehen, wenn die Balance zwischen dem „Ich“ und dem notwendigen gesellschaftlichen „Wir“ dauerhaft gestört sei. „Einsamkeit isoliert, macht krank und kann letztlich sogar lebensbedrohlich sein“, warnte der Referent. Für das menschliche Gehirn bedeute Einsamkeit, dass etwas schmerzlich vermisst werde. Betroffene würden zunehmend misstrauisch, vermieden Kontakte und Begegnungen und zögen sich immer mehr zurück. Chronische Einsamkeit bedeute für den Körper dauerhaften Stress und könne die seelische und körperliche Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Als mögliche Auslöser und verstärkende Faktoren nannte Hutter unterschiedliche nicht gewollte Lebenssituationen. Dazu gehörten etwa die Belastungen durch die Pflege des Partners oder der Partnerin sowie der Verlust des Partners oder der Partnerin. Auch Alleinerziehende, Arbeitslose sowie Menschen mit geringem Einkommen seien häufiger von Einsamkeit betroffen. Das Alter allein sei dagegen kein unmittelbares Risiko. Mit zunehmendem Lebensalter könne die Gefahr von Einsamkeit jedoch insbesondere dann steigen, wenn gesundheitliche Einschränkungen oder Erkrankungen hinzukämen. Bemerkenswert, so stellte der Referent fest, sei der hohe Anteil einsamer Menschen in Pflegeeinrichtungen.

Begegnung als Weg aus der Isolation
Hutter zeigte auch Möglichkeiten auf, Einsamkeit zu überwinden und soziale Kontakte zu stärken. Bei chronischer Erkrankung seien Beratung und Therapie notwendig. Gefragt sei zudem die Politik mit Maßnahmen zur Sensibilisierung und Aufklärung. Ein wichtiger Schlüssel liege in der Schaffung verlässlicher und kreativer Begegnungsangebote. Man müsse sich den einsamen Menschen „in den Weg stellen“. Jeder Einzelne könne etwas beitragen: Kontakte pflegen, auf Nachbarn achten, ein Gespräch beginnen oder neue Gemeinschaftsangebote wahrnehmen. Oft seien es gerade die kleinen, regelmäßigen Begegnungen, die helfen könnten, soziale Isolation zu durchbrechen. Wie unkompliziert solche Begegnungen ermöglicht werden können, zeigte Hutter an einem eindrucksvollen Beispiel für menschliche Nähe aus den Niederlanden. In einigen Einkaufszentren gibt es dort sogenannte „Klön- und Quasselkassen“. Die entsprechend gekennzeichneten Kassen bieten bewusst Raum für ein kurzes Gespräch zwischen Kunden und Kassenpersonal.

Der Vorsitzende der Seniorenvereinigung Meppen, Richard Peters, dankte Hutter für seinen informativen und Mut machenden Vortrag. In Meppen gebe es mit den Angeboten der örtlichen Seniorengruppen sowie vieler Vereine und Organisationen zahlreiche Möglichkeiten, der gesellschaftlichen Individualisierung entgegenzuwirken. Es komme jedoch darauf an, diese Angebote auch wahrzunehmen.

Gemeinschaft, die verbindet
Dass Gemeinschaft nicht nur Thema des Vortrags war, sondern unmittelbar erlebt werden konnte, zeigte sich bei der Unterhaltung bei Kaffee, Kuchen und Schnittchen.

Den feierlichen Abschluss bildete eine ökumenische Andacht mit den Pastoren Gerd Veltmann und Günter Wessendorf. Für die musikalische Begleitung sorgte der Seniorenchor „60plus“ des Dekanats Emsland-Mitte unter der Leitung von Wilfried Hagemann.

Am Ende blieb eine einfache, aber wichtige Botschaft: Einsamkeit kann entgegengewirkt werden, wenn über sie gesprochen wird und Menschen bereit sind, aufeinander zuzugehen und Räume für Begegnung zu schaffen.

Text und Fotos: Seniorenvereinigung Meppen

 

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