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Seniorenvereinigung der Stadt Meppen e.V.

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35 Jahre Seniorenvereinigung der Stadt Meppen

"Sozialstaat braucht Zusammenhalt und Verantwortung" Karl-Josef Laumann spricht in Meppen über Wirtschaft, Pflege und Demokratie

Von Lambert Brand

Meppen (EL) – Mit viel Humor, persönlichen Geschichten und klaren politischen Botschaften hat Karl-Josef Laumann die rund 200 Gäste bei der Jubiläumsveranstaltung zum 35-jährigen Bestehen der
Seniorenvereinigung Meppen im Saal Kamp begeistert. Sein Vortrag zum Thema „Sozialstaat der Zukunft“ wurde von zustimmendem Applaus begleitet.

 

Laumann machte gleich zu Beginn deutlich, wie wichtig ehrenamtliches Engagement und gesellschaftlicher Zusammenhalt seien. Meppens Bürgermeister könne dankbar sein, eine so aktive Seniorenvereinigung in seiner Stadt zu haben. „Dinge selbst in die Hand zu nehmen und zu handeln, das zeichnet auch das Emsland aus“, betonte der Minister. Gerade im Alter sei es wichtig, in Bewegung zu bleiben, soziale Kontakte zu pflegen und etwas gegen Einsamkeit zu tun. Politik allein könne viele Probleme nicht lösen.
Deshalb brauche es Vereine und Gemeinschaften wie die Seniorenvereinigung, in denen Menschen füreinander da seien.

Mit Blick auf die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung äußerte sich Laumann nachdenklich. Deutschland habe über viele Jahrzehnte Frieden, Stabilität und Wohlstand erlebt. „Jeder von uns kann dankbar sein, diese Zeit der Geschichte erlebt zu haben“, sagte er. Gleichzeitig wachse aber die gesellschaftliche Spaltung. Besonders Sorgen bereitete ihm zunehmende politische Radikalisierungen und die Gefahr, dass Demokratie und Freiheit nicht mehr selbstverständlich angesehen würden.

 

Auch wirtschaftspolitisch fand der Minister deutliche Worte. Deutschland befinde sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage, wobei die Lohnstückkosten und insbesondere die hohen Energiekosten eine wichtige Rolle spielten. Deshalb sprach sich Laumann dafür aus, flexible Gaskraftwerke als Ergänzung zu erneuerbaren Energien einzusetzen, wenn Wind- und Sonnenenergie nicht ausreichend verfügbar sei. Mit einem kleinen Seitenhieb auf die Bundesregierung sagte Laumann, manche Probleme könnten in Berlin „geschickter angepackt” werden, um Deutschland wieder wettbewerbsfähiger zu machen.

Dabei sprach der aus Riesenbeck stammende Minister auch über seinen eigenen Lebensweg. Nach der Volksschule absolvierte er eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker und arbeitete mehrere Jahre in diesem Beruf, bevor er in die Politik wechselte. Unter großem Gelächter bekannte er: „Ein schöner Trecker ist mir immer noch lieber als ein schönes Auto.“ Zugleich unterstrich er die Bedeutung von Handwerk und Produktion für die deutsche Wirtschaft. Die Beschäftigten in Industrie und Mittelstand stünden täglich im internationalen Wettbewerb und müssten wettbewerbsfähigere Bedingungen vorfinden. Nach Ansicht Laumanns müssten deshalb auch die sogenannten Lohnstückkosten sinken.

Laumann verwies darauf, dass ein erheblicher Teil der Beschäftigten in Deutschland im öffentlichen Dienst arbeite und damit weniger Risiken ausgesetzt seien als Arbeitnehmer in der produzierenden Wirtschaft. Zudem seien die Belastungen durch Sozialversicherungsbeiträge inzwischen sehr hoch. Eine Lanze brach der Minister ausdrücklich für die Gewerkschaften. Diese hätten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten oftmals verantwortungsvoll gehandelt. „Noch keine Firma ist an zu hohen Löhnen pleite gegangen“, sagte Laumann.

Breiten Raum nahm auch das Thema Gesundheitsversorgung ein. Die Krankenhauslandschaft müsse reformiert werden, betonte der Minister. Nicht jedes Krankenhaus könne künftig sämtliche Leistungen anbieten, allerdings müsse auch auf dem Land eine Grundversorgung verbleiben. Die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums nannte Laumann „weitgehend gut”. Laumann warnte davor, bereits im Vorfeld die notwendige Strukturreformen schlechtzureden. Viele Kliniken seien finanziell stark belastet und am Ende. Als gelungenes zukunftsweisendes Beispiel nannte Laumann die Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung der Krankenhäuser in Meppen und Lingen nach der Zusammenlegung.

Besonders wichtig ist Laumann eine gute medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Deshalb habe Nordrhein-Westfalen eine sogenannte Landarztquote eingeführt. Ein Teil der Studienplätze für Medizin würde nur an Bewerber vergeben, die sich verpflichteten, später auf dem Land zu arbeiten. Da die Ausbildung jedoch viele Jahre dauere, seien die Auswirkungen erst später sichtbar. Um Ärzte für die Tätigkeit in ländlichen Gebieten zu motivieren, müssten sie vor Ort eine gute Infrastruktur wie zum Beispiel Ärztehäuser vorfinden. Wichtig seien zudem eine bessere Digitalisierung des Gesundheitswesens sowie eine gezieltere Patientensteuerung, um lange Wartezeiten bei Fachärzten zu vermeiden. Nicht jedes gesundheitliche Problem müsse sofort im Krankenhaus behandelt werden. Gleichzeitig müsse die ambulante Versorgung deutlich gestärkt werden.

Auch die Zukunft der Renten- und Pflegeversicherung sprach Laumann offen an. Angesichts von 46 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und rund 26 Millionen Rentnern müsse darüber gesprochen werden, wie das System langfristig finanzierbar bleibe. Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering habe mit der Einführung der Rente mit 67 eine richtige Entscheidung forciert. Nach Laumanns Meinung dürfen Rentenkürzungen kein Thema sein. Denkbar sei jedoch, Menschen freiwillig länger arbeiten zu lassen, wenn Gesundheit und Beruf dies zuließen.

Mit Blick auf die Pflege verwies Laumann darauf, dass die Pflegeversicherung heute eine wichtige Stütze des Sozialstaates sei. Rund 85 Prozent der Pilegebedürftigen lebten nicht im Heim, viele würden zu Hause versorgt. Deshalb müsse auch die häusliche Pflege stärker unterstützt werden.

Zum Abschluss appellierte der Minister an Politik und Gesellschaft, wieder stärker das Gemeinwohl in den Mittelpunkt zu stellen. Kompromissbereitschaft sei keine Schwäche, sondern eine Stärke der Demokratie. In Nordrhein-Westfalen arbeite man trotz unterschiedlicher Positionen konstruktiv in der schwarz-grünen Koalition zusammen. „Davon kann man sich in Berlin noch was abgucken”, sagte Laumann schmunzelnd.

In der anschließenden Diskussion unterstützte der ehemalige Lingener Oberbürgermeister und Staatssekretär Heiner Pott viele Aussagen des Ministers. Besonders hob er hervor, dass Deutschland auch künftig auf gut ausgebildete ausländische Pflegekräfte angewiesen sei. Der Vortrag Laumanns wurde von den Gästen mit langanhaltendem Beifall aufgenommen.

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