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Seniorenvereinigung der Stadt Meppen e.V.

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Drei Säulen für ein ganzes Berufsleben

Wie der Campus Ludmillenstift in Meppen dem Fachkräftemangel im Emsland begegnet

Von Lambert Brand
Meppen (EL) Helle und freundliche Räume, modernste digitale Lernmöglichkeiten und eine klare Vision für die Zukunft der Gesundheitsberufe: Wer den neuen Campus des Ludmillenstifts betritt, spürt sofort, dass hier mehr passiert als reine Wissensvermittlung. Mit einem Investitionsvolumen von rund zehn Millionen Euro ist in Meppen ein Bildungszentrum entstanden, das Tradition und hochmoderne Praxisorientierung eindrucksvoll miteinander verbindet.

Konsequent ausgerichtet auf lebenslanges Lernen, ruht das Bildungsverständnis des Campus auf drei starken Säulen: der Ausbildung, der Fortbildung und der Weiterbildung. Wie Campusleiterin Kathrin Andrees und ihre Stellvertreterin Nadine Reißig betonen, versteht sich die Einrichtung als eine tragende Säule der Gesundheitsbildung in der gesamten Region. Die klare Haltung des Hauses spiegelt sich im einprägsamen Leitbild wider: „Menschlichkeit. Unser Kompass. Bildung. Unser Weg. Praxis. Unser Ziel.“

Erste Säule: Ein starkes Fundament aus Tradition und Perspektive: Die Wurzeln des Bildungsstandortes reichen tief. Bereits 1958 wurde die staatlich anerkannte Krankenpflegeschule gegründet, zehn Jahre später, 1968, folgte die Kinderkrankenpflegeschule. Auf diesem historischen Fundament baut heute ein hochmodernes Angebot auf.
Das Herzstück der ersten Säule bilden die dreijährigen Ausbildungsgänge in der Pflege und in der Physiotherapie. Jedes Jahr schließen hier rund 50 Pflegefachfrauen und -männer sowie etwa 25 Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten erfolgreich ab. Ergänzt wird das klassische Modell durch zukunftsweisende duale und kooperative Studienwege: Dazu zählen die vierjährige duale Pflegeausbildung in enger Kooperation mit der Hochschule Osnabrück (Standort Lingen) sowie ein ausbildungsintegriertes Studium, das Physiotherapie, Motologie und Ergotherapie in Zusammenarbeit mit der Hochschule Emden vereint. Hinzu kommen zahlreiche Praxisanleiterinnen und -anleiter.

Getragen wird diese Vielfalt von einem interdisziplinären Team aus rund 22 Lehrkräften in Voll- und Teilzeit. Der Qualifikationsmix ist enorm: Pflegefachpersonen, Physiotherapeuten, Notfallsanitäter und Heilerziehungspfleger bringen ihre Expertise ein. Viele von ihnen verfügen über akademische Abschlüsse (Bachelor, Diplom oder Master). Dabei geht das Aufgabenfeld weit über den klassischen  Unterricht als Kernkompetenz hinaus. Auch Praxisbegleitungen, Netzwerkarbeit, die stetige Digitalisierung sowie die Präsenz auf Job- und Ausbildungsbörsen gehören zum Alltag der Lehrenden.

Zweite und dritte Säule: Lebenslanges Lernen und Spezialisierung: Um dem medizinischen Fortschritt und den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, setzen die zweite und dritte Säule auf kontinuierliche Qualifizierung. Das Portfolio umfasst Praxisanleiterkurse sowie die anspruchsvolle, zweijährige und berufsbegleitende Weiterbildung zur Fachkraft für Intensiv- und Anästhesiepflege. Für das Jahr 2026 hat sich der Campus noch breiter aufgestellt. Geplant sind unter anderem: Eine umfangreiche 300-stündige Weiterbildung für die Praxisanleitung, fach- spezifische Fortbildungen in der Neurologie, Manuellen Therapie und Manuellen Lymphdrainage, Schulungen zur „Salutogenen Kommunikation“ (ein ressourcenorientierter Ansatz zur Gesundheitsförderung), Kurse in Aromapflege und Seminare zur multiprofessionellen Handlungssicherheit im sensiblen Umgang mit sterbenden Patientinnen und Patienten, der Ausbau wertvoller Kooperationen, unter anderem mit dem Vitus-Werk.

Internationale Talente und zukunftsweisende Lernorte: Ein weiterer zentraler Baustein gegen den Fachkräftemangel ist die internationale Gewinnung von Auszubildenden. Das Interesse ist riesig: Pro Ausbildungsbeginn verzeichnet der Campus rund 200 Anfragen aus dem Ausland. Für ausgewählte Kandidatinnen und Kandidaten – aktuell unter anderem aus Kenia hat das Team einen strukturierten Onboarding Prozess etabliert. Unter der Leitung von Birgit Waldheim werden die angehenden Fachkräfte bei der Sprachqualifikation, der Wohnsituation und der gesellschaftlichen Integration engmaschig begleitet.
Auch räumlich und didaktisch geht der Campus neue Wege. Praxisnahe Übungsbereiche bereiten die Auszubildenden auf den echten Klinikalltag vor. Ein besonderes Highlight der künftigen Entwicklung ist das noch in der Fertigstellung befindliche sogenannte „Skills-Lab“. Es soll als innovativer dritter Lernort“ die Brücke zwischen blanker Theorie und der direkten Arbeit am Patienten schlagen. Künftig sollen hier das interdisziplinäre Lernen und die enge Zusammenarbeit zwischen Pflege, Physiotherapie und Medizin weiter gestärkt werden. Perspektivisch runden Formate wie geplante Patientenakademien das Campus-Angebot ab.

Hohe Wertschätzung durch die Meppener Senioren:  Dass dieses zukunftsweisende Konzept nicht nur Fachkreise , sondern die gesamte Region bewegt, zeigte sich kürzlich beim Besuch der Seniorenvereinigung Meppen. Das Interesse an den neuen Räumlichkeiten war so immens, dass gleich zwei Besichtigungstermine für die über 120 Teilnehmenden organisiert werden mussten.
Für viele der Gäste war der Besuch eine emotionale Zeitreise, da einige von ihnen ihre eigene Ausbildung einst in der früheren Krankenpflegeschule des Ludmillenstifts absolviert hatten. Richard Peters, Vorsitzender der Seniorenvereinigung, dankte den Campus- Verantwortlichen herzlich für die exklusiven Einblicke. In seinem Fazit unterstrich Peters die immense gesellschaftliche Relevanz der Einrichtung: „Wenn Pflege benötigt wird -im Krankenhaus, ambulant oder stationär – ist es gut, der Aus- und Fortbildung von Pflegekräften besondere Wertschätzung entgegenzubringen.“ Angesichts der stetig steigenden Pflegeintensität in der Gesellschaft sei eine exzellente Qualifikation und hohe Motivation der jungen Menschen von elementarer Bedeutung. Im Namen des Vorstands äußerte Peters den festen Wunsch, dass künftig alle Ausbildungsplätze am Campus belegt werden können und verband dies mit der dringenden Hoffnung, dass der seit Langem geforderte Bürokratieabbau im Gesundheitswesen endlich spürbar vorangetrieben wird.

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