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Seniorenvereinigung der Stadt Meppen e.V.

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Palliativ- und Hospizversorgung im Landkreis Emsland

Ambulant vor stationär       

So funktioniert das Palliativ-Netzwerk im Landkreis Emsland

Von Lambert Brand

Meppen (EL) – „Palliativ! Nicht nur am Ende dabei!” – unter diesem prägnanten Leitsatz hat die Seniorenvereinigung Meppen das hochsensible Thema der Begleitung am Lebensende in den Fokus gerückt. Das außerordentlich große Interesse von mehr als 150 Gästen bewies eindrucksvoll, wie stark die Frage nach einer würdevollen und ganzheitlichen Betreuung die Menschen in der Region bewegt. Zwei ausgewiesene Expertinnen aus Lingen und Sögel zeigten auf, wie das engmaschige Netzwerk der Palliativversorgung im Landkreis Emsland funktioniert und warum eine gute Begleitung schon lange vor den letzten Tagen beginnt.

Der Vorsitzende der Seniorenvereinigung, Richard Peters, unterstrich in seiner Begrüßung die hohe Aktualität: Die Frage, wie Menschen am Lebensende würdevoll begleitet werden können, betreffe immer mehr Familien. Die Referentinnen Dr. med. Nicole Wollweber, ärztliche Leiterin der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) am Bonifatius Hospital in Lingen sowie Ilona Konken, Koordinatorin beim Palliativstützpunkt beziehungsweise ambulanten Palliativdienst am Hümmling-Hospital Sögel, stellten in den Mittelpunkt der Veranstaltung die Frage, was Palliativversorgung bedeutet und welche Leistungen sie umfasst. Unter dem Leitsatz „Palliativ! Nicht nur am Ende dabei!“  wurde deutlich, dass Palliativmedizin weit über die reine Sterbebegleitung hinausgeht. Sie setzt bereits früh im Krankheitsverlauf ein – nämlich dann, wenn eine Erkrankung nicht mehr heilbar ist, aber weiterhin behandelt und begleitet werden kann. Ziel der Palliativversorgung ist es, die Lebensqualität schwerkranker Menschen zu verbessern. Dabei steht nicht die Heilung im Vordergrund, sondern die Linderung belastender Symptome sowie die ganzheitliche Betreuung. Dazu gehört insbesondere die Behandlung  von Schmerzen, Atemnot, Übelkeit oder Angst.Gleichzeitig werden auch psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse berücksichtigt. Darüber hinaus beinhaltet die Palliativarbeit eine Vielzahl weiterer Leistungen. Dazu zählen unter anderem die Sicherstellung komplexer Versorgungsformen wie Medikamentenpumpen oder Portversorgungen, präventives Krisenmanagement sowie ergänzen-
de Therapieangebote wie Gesprächstherapie, Aromapflege, Entspannungstechniken oder Physiotherapie. Ebenso wichtig sind die seelsorgerische Begleitung und die Unterstützung im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer.

Betreuung durch Palliative Care Fachkräfte: Ein zentrales Element ist die multiprofessionelle Zusammenarbeit. Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Sozialarbeit, Seelsorge sowie ehrenamtliche Helfer arbeiten eng zusammen, um eine umfassende Betreuung zu gewährleisten. Dabei steht stets der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen im Mittelpunkt. Die Palliativversorgung versteht sich als ganzheitlicher Ansatz, der sowohl die Betroffenen als auch deren Angehörige einbezieht. Die Referentinnen stellten die Palliativstationen im Verbund der St. Bonifatius Hospitalgesellschaft vor. Sowohl Hümmling Hospital in Sögel (Seit 2007) im Bonifatius Hospital, Lingen sind (seit 2019) stehen jeweils fünf Betten in eigenen Stationen zur Verfügung, die von Palliativen Care Fachkräften betreut werden.

Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung der SAPV, als ambulanten Palliativversorgung. Diese ermöglicht es, Patientinnen und Patienten in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung zu betreuen. Ziel ist es, ein möglichst selbstbestimmtes Leben bis zuletzt zu ermöglichen. Die medizinische Betreuung bleibt dabei in den Händen der Haus- oder Fachärzte, während spezialisierte Palliativdienste unterstützend tätig werden. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung, die Leistungen können über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden. Hinsichtlich der Kostenübernahme durch privat Versicherte bestehe Klärungsbedarf mit der Krankenkasse. Zudem steht
ein „Rund-um-die-Uhr”-Bereitschaftsdienst für Not- und Krisensituationen zur Verfügung.

Funktionierende Netzwerke: Im Landkreis Emsland zeigt sich, wie wichtig funktionierende Netzwerke sind. Ambulante Dienste, Krankenhäuser, Hospize und weitere Einrichtungen arbeiten eng zusammen, um eine kontinuierliche und bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen. Auch spezialisierte Angebote für Kinder und Jugendliche sind Teil der Struktur, um den besonderen Bedürfnissen junger Patientinnen und Patienten gerecht zu werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Begleitung der Angehörigen. Sie werden nicht nur entlastet, sondern auch beraten und emotional unterstützt-sowohl während der Erkrankung als auch in der Trauerphase. Damit wird deutlich, dass Palliativversorgung immer das gesamte soziale Umfeld im Blick hat.

Neben der ambulanten Palliativversorgung wurde im Rahmen der Veranstaltung auch die Bedeutung der überwiegend ehrenamtlichen Arbeit der Hospizvereine und des stationärer Hospiz St. Veronika in Thuine mit acht Betten hervorgehoben als spezialisierte Pflegeeinrichtungen für schwerstkranke und sterbende Menschen, die nicht mehr zu Hause versorgt werden können. Die Referentinnen machten deutlich: Stationäre Hospize sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Versorgungskette im Emsland. Es sei wichtig im Emsland ein leistungsfähiges Hospiz mit mindestens 12 Betten zu unterhalten. Dabei sollte die geografische Lage von Bedeutung sein.

Menschen nicht allein lassen: Die große Resonanz der Veranstaltung machte laut Richard Peters deutlich, wie relevant dieses Thema für die Gesellschaft ist. Palliativversorgung bedeutet, Menschen in einer besonders sensiblen Lebensphase nicht allein zu lassen, sondern ihnen mit medlizinischer Kompetenz, menschlicher Nähe und umfassender
Unterstützung zur Seite zu stehen. Oder, wie es die Begründerin der modernen Hospizbewegung, Cicely Saunders, treffend formulierte: Nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben.

Wege gegen Ärztemangel

Weiterbildungsgesellschaft soll Nachwuchs binden

Von Lambert Brand

Meppen (EL) – Im Rahmen der Veranstaltung der Seniorenvereinigung Meppen stellte Dr. Sigrid Kraujuttis, Dezernentin für Gesundheit und Soziales beim Landkreis Emsland, die zentralen Handlungsfelder der Gesundheitsregion Emsland sowie die Vielfalt der Pflegelandschaft vor. Es wurde deutlich, wie breit und differenziert die Angebote im Emsland bereits aufgestellt sind. Der Landkreis Emsland nimmt bei landesweiten Modellprojekten im Gesundheitsbereich eine Vorreiterrolle ein, betonte Vorsitzender der Seniorenvereinigung Richard Peters einleitend in das Thema.

Ein zentrales Anliegen sei es, die ärztlich-medizinische Versorgung, Pflege und Prävention kontinuierlich weiterzuentwickeln und insbesondere wohnortnahe Angebote zu stärken, betonte Dezernentin Kraujuttis, die von Beginn an bei der Projektentwicklung mitgewirkt hat und die Handlungsfelder erklärte. Die Arbeit der eingerichteten Gesundheitsregion Emsland eine wichtige koordinierende Rolle, um verschiedene Akteure miteinander zu vernetzen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln, betonte Kraujuttis.

Vielfältige Pflegelandschaft und Wohnformen: Die vorgestellte Pflegelandschaft umfasst zahlreiche Bereiche. Im Fokus stehen unterschiedliche Wohnformen wie barrierefreie Wohnungen, ambulant betreute Wohneinheiten oder Senioren-Wohngemeinschaften. Ergänzt werden diese durch Beratungsangebote, etwa durch Pflegestützpunkte, Demenz-Servicezentren oder ehrenamtliche Wohnberatung.
Auch freiwilliges Engagement spielt eine große Rolle, beispielsweise durch Seniorenbegleitungen oder Freiwilligenagenturen und vieles mehr.
„Erstes Ziel für die Senioren ist natürlich, so lange wie möglich zu Hause wohnen bleiben zu können“, sagte Kraujuttis. Professionelle Pflege und neue Projekte: Darüber hinaus beleuchtete die Referentin die professionelle Pflege. Diese reicht von ambulanten Diensten über teilstationäre Angebote bis hin zur stationären Versorgung. Auch die medizinische Infrastruktur ist breit aufgestellt: Neben Krankenhäusern und Reha-Kliniken gehören Haus- und Fachärzte, Apotheken sowie spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) und die Hospizarbeit zum Netzwerk. Qualifizierung und Weiterbildung der Ehrenamtlichen ist dabei von großer Bedeutung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vernetzung und Qualifizierung der Beteiligten. Pflegekonferenzen, Pflegetische sowie Fortbildungsangebote sollen die Zusammenarbeit stärken und die Qualität der Versorgung sichern.

Zurzeit wird bei den Kommunen das Projekt „Emsland-Care“ eingeführt. Dabei erhalten die Bürger niedrigschwellige Unterstützung bei Fragen zu psychosozialen Belastungen, Pflege, Demenz oder ähnlichen Themen – ohne lange Wartezeiten. Ziel sei es unter anderem, auch Hausarztpraxen zu entlasten.

Sicherung der medizinischen Versorgung in der Zukunft: Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Sicherung der medizinischen Versorgung in der Zukunft. Hier spielt die Weiterbildungsgesellschaft „Meilenstein“ eine entscheidende Rolle. Sie wurde ins Leben gerufen, um gezielt dem Ärztemangel entgegenzuwirken und junge Medizinerinnen und Mediziner für die Region zu gewinnen. Durch strukturierte Weiterbildungsprogramme, enge Begleitung und attraktive Rahmenbedingungen sollen Nachwuchskräfte frühzeitig an das Emsland gebunden werden. Gleichzeitig stärkt das Projekt die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten und trägt so zur langfristigen Stabilität der Versorgung bei.

Deutlich wurde in dem Vortrag: Die Gesundheitsregion Emsland ist vielseitig, gut strukturiert und auf zukünftige Herausforderungen ausgerichtet. Ziel bleibt es, allen Bürgerinnen und Bürgern, insbesondere den Hilfs- und Pflegebedürftigen sowie deren Angehörigen, eine verlässliche, wohnortnahe und qualitativ hochwertige Versorgung zu ermöglichen.

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